Sonntag, Mai 23rd, 2010

Diese Frage stellte der Freitag dem Kommunikationswissenschaftler Thilo von Pape. Am Ende trifft er keine revolutionären Aussagen – jeder der sich mit Online-Kampagnen im Wahlkampf beschäftigt hat, kennt das schon. Doch eines hat mich aufhorchen lassen: “Die Wähler merken, dass die Parteien noch nicht die richtige Ansprache gefunden haben.”
Ja, da ist etwas dran und doch fehlt mir die politikwissenschaftliche Schlußfolgerung daraus. Denn die vermeintlich “richtige Ansprache” bezieht sich ja nicht nur auf das Web, sondern auf den gesamten politischen Prozess. Ich würde es umformulieren: Die Wähler merken, dass die Parteien Stimmen zu fangen, anstelle Stimmen zu gewinnen! Da wird die eigene Haltung soweit verbogen und über die Medien inszeniert, dass die Parteien und deren Programme selbst kaum mehr erkennbar sind. Diese Wähler reagieren mit Verunsicherung und im schlimmsten Fall mit Wahlenthaltung.
Wichtiger als twitter, facebook und Co. wäre wohl die Rückkehr zu einer klaren parteipolitischen Themendebatte (in welchem Medium auch immer) und nicht die Führung von Wahlkämpfen über die Medien, über die man vermeintlich am leichtesten Emotionen erzeugen und so Wähler fangen kann. Ein ehrlicher Umgang mit dem Web – das ist das Erfolgsgeheimnis auch von Obamas Online-Strategie gewesen. Nicht die Inszenierung!



  2 Responses to “Warum floppt der deutsche Online-Wahlkampf?”


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