So war die Meldung auf dorfinfo.de überschrieben und entstammte wohl einer Pressemitteilung der in Brilon ansässigen SPD. Bereits der veröffentlichte Artikel zeigt, dass dies aber wenig mit dem gemeinsam hat, was mittlerweile unter “Online-Wahlkampf” verstanden wird: “Knapp 6 Wochen vor der Kommunalwahl am 30. August können sich die Briloner Bürgerinnen und Bürger seit heute unter www.spd-brilon.de über die Kandidaten der Briloner SPD für den Stadtrat und den Kreistag informieren und sich dort für den Newsletter der Briloner SPD anmelden. Ebenfalls präsentieren sich auf der Homepage die Kandidaten für das Amt des Ortsvorstehers.”

Das also ist der Online-Wahlkampf?
Nun es geht noch weiter: “Neben aktuellen Informationen und Terminen im Wahlkampf findet man auch ein Wahlvideo auf der Homepage, welches kurz über die Themen und Ziele der Briloner SPD informiert. Zudem können ab Anfang August auch die Kandidatenflyer und das Wahlprogramm direkt von der Homepage heruntergeladen werden.”
Sehen wir uns doch einmal die beiden Websites an unter spd-brilon.de und unter franz-schrewe.de. Auffällig ist, dass beide Websites mit Hausmitteln gestrickt worden sind, keine Spur des Bundes-CMS, dass es eigentlich aus der Bundeszentrale für alle Parteigliederungen und Kandidaten günstig gibt. Dann fällt auf, dass das Design aus dem letzten Jahrhundert zu stammen scheint, Bilder sind falsch skaliert und tatsächlich: es werden auch Informationen präsentiert. Das ging allerdings 1994 auch schon! Einziges “neues” Element sind ein Newsletter und “embedded” youtube-Videos.

Dieses Beispiel macht eines deutlich: Vielfach geben Parteien und Kandidaten sich den Anspruch einen “Online-Wahlkampf” zu machen und haben dabei nicht im Ansatz eine Vorstellung der Kommunikationsbedingungen wie wir sie heute im Internet vorfinden. Zu Beginn wird ich also erst einmal der “Anschein” des modernen Wahlkampfes gegeben und weiterhin Informationen vermittelt. Im Laufe eines Erkenntnisprozesses folgt dann auf einmal hektische Betriebsamkeit und Kandidaten wie Parteien meinen, alle “Tools” wie etwa twitter u.ä. bedienen zu müssen. Erst am Ende einer langen Kette von Fehlschlägen folgt dann die eigentliche Erkenntnis: nicht tools bestimmen die Kommunikation im Web, sondern die eigene Kommunikationsstrategie in der google-Welt. Soll heißen: nur wer offen, glaubwürdig und authentische kommuniziert, sich gut im Web vernetzt und gleichzeitig einen spannenden Dialog anbietet, wird mit tools wie twitter, youtube, facebook u.a. Erfolg haben.
Was hingegen passiert, macht Brilon vor: Langweilige “Informationspolitik” aus Pressemitteilungen und Pressekonferenzen, die kein mündiger Wähler im 21. Jahrhundert mehr hören möchte. So werden die Chancen des Web nicht genutzt, mittels einer offenen und authentischen Kommunikation die Menschen dort abzuholen wo sie sind.
Bildquellen: www.spd-brilon.de, www.franz-schrewe.de
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